Psychologie VS Design im Webdesign 2019

Webdesign wird oft mit “common sense” verwechselt, besonders wenn man in einer Marketing- bzw. Webagentur arbeitet. Dabei spielt Psychologie im Webdesign eine bedeutende Rolle. Mehr, als oft angenommen wird.

Webdesign wird oft mit Ideen verwechselt , die viele für logisch halten. Wir stellen jedoch fest, dass viele leistungsstarke Websites ihren Erfolg auf Mustererkennung, sensorische Anpassung und Einhaltung der Erwartungen zurückführen können.

In diesem Blog-Beitrag werde ich einige kritische, psychologische Praktiken aufschlüsseln, von denen nachgewiesen wurde, dass sie im Webdesign funktionieren.

Überlegungen zur Psychologie im Webdesign

Grundsätzlich

Es gilt als allgemein bekannt, dass Webseiten-Besucher im Schnitt 1,8 Sekunden aufwenden, um die grundlegende Botschaft der Webseite zu suchen und zu konsumieren. Wird die Kernbotschaft  in dieser Zeit nicht klar, dann ziehen sie weiter. Und das kann vielfältige Ursachen haben…. Beispiel: die superfancy Agentur-Webseite, auf der sich alles bewegt und sich nie da gewesene Effekte abspielen. Wenn dort ein begabter SEO Mensch arbeitet, dann sticht die Kernbotschaft trotzdem ins Auge. Und ich sage bewusst: TROTZDEM. Denn was ist die Grundbotschaft der Aufmachung? Wohl eher “Wir können programmieren” aber nicht “Wir bringen Ihre Marke nach vorne.” Auch ist das Auge angestrengt, sich aus dem Gewirre an Effekten den Inhalt zu extrahieren.

Anderes Beispiel: Die maximal minimalistische Webseite des Grafikers. Obwohl er ausschließlich mit Textelementen arbeitet und das noch in einer unglaublich stylischen Schrift, suche ich verzweifelt nach der Botschaft auf der fast leeren Seite. Auf der Portfolio-Unterseite werde ich dann endlich fündig und sehe äußerst gelungene Entwürfe für Logos und Plakate. Das ist aber zu spät und auch wieder zu anstrengend. Man muss das alles wirklich lesen WOLLEN, was wiederum auf die Mehrheit nicht zutrifft.

Es gilt also: 

Die Kernbotschaft gehört “Above the fold” – übersetzt “Über dem Falz”. Also wie bei einer Zeitung, wo de Kernbotschaft / Schlagzeile über dem Falz steht. Sie soll gesehen werden und die Zeitung gekauft. Das ist im Web nicht anders.

Für erfolgreiche Webseiten gilt:

CONTENT IS KING

DESIGN FOLGT DEM CONTENT

DAS MARKENIMAGE GIBT DEN TON AN BEI DESIGN-ELEMENTEN

WENIGER IST MEHR

Farberkennung und Akzeptanz

Jeder reagiert unterschiedlich auf Farben. Es gibt keinen „akzeptierten“ Weg, sie zu verwenden. Trends haben jedoch gezeigt, dass das Geschlecht eine große Rolle bei der Wahrnehmung spielt. Es wurden Studien veröffentlicht, die die Unterschiede zwischen den Reaktionen von Männern und Frauen auf Farben zeigen, insbesondere auf Farben, die sie mögen oder nicht mögen. Obwohl es viele Ähnlichkeiten gibt, gibt es auch einige herausragende Trends sowohl bei den Abneigungen als auch bei den Vorlieben. In dieser Studie zum Beispiel mag ein Viertel der Männer die Farbe Lila nicht, während ein Viertel der Frauen die Farbe Lila mag. Auch gab es bei mir bereits Projekte, wo die Farbauswahl direkt auf die Zielgruppe abgestellt wurde und damit sehr erfolgreich ist. Scheint rudimentär zu sein, aber dieser Wissen kann Ihnen beim Entwerfen einiges an Zeit sparen. Berücksichtigen Sie bei Ihrem nächsten Projekt das Geschlechts in Ihrer Zielgruppenanalyse. Oh, und verzichten Sie auf jeden Fall auf die Verwendung von Braun.

Sehr spannende Abhandlung zu dem Thema Farbe und Farb-Psychologie bei Neil Patel LINK

Mustererkennung

Wem folgen Menschen mehr als allem anderen? Ihrer Vergangenheit. Die Menschen fühlen sich wohl mit Dingen, die sie kennen, mit Dingen, die sie gefühlt haben. Dieses Phänomen kann auf Webers Gesetz des gerade wahrnehmbaren Unterschieds zurückgeführt werden, das erklärt, dass kleine Änderungen an Etwas keinen spürbaren Unterschied in der Sichtweise des Betrachters beeinflussen. Man sieht das z.B. an der Evolution der Verpackung der Handcreme in der blauen Dose. Diese sah in meinen Kindertagen anders aus, ich erkenne sie aber immer noch augenblicklich trotz aller Anpassungen.

Trifft dies auch auf Webdesign zu? Gilt es? NA SICHER. Auch Webdesign wird natürlich stark von Psychologie bestimmt. Warum sieht Reddit Ihrer Meinung nach so aus? Weil es beim ersten Mal geklappt hat. Erfinden Sie das Rad nicht mit einem Redesign ständig neu. Nehmen Sie, was funktioniert, optimieren Sie es und stellen Sie es bereit. Oft kommt es bei einem Redesign zu einem Massaker am Original. Dafür kann aber natürlich auch es gute Gründe haben:

Sie könnten hier sagen: “Warum überhaupt ein Redesign durchführen ?!” Nun, wenn Ihre Website überhaupt keine Leistung erbringt, keine Besucher hat und nur schwer zu laden ist, führen Sie eine vollständige Überarbeitung durch.  Denn dann ist klar, daß der bisherige Ansatz gescheitert ist. Wenn Sie ein öffentliches Unternehmen sind, rollen Sie Ihre Änderungen langsam und sicher aus. Auf diese Weise merkt die Mehrheit der Benutzer nicht einmal, dass Sie Änderungen vornehmen. Denken Sie daran, die Menschen bleiben gerne in ihren Komfortzonen.

Das Thema Mustererkennung findet sich auch detailliert aufbereitet bei t3n LINK

Vergessen Sie Trends

Vergessen Sie Trends – versuchen Sie es einfach. Möglicherweise gefällt Ihnen eine neue Schriftart, die Sie irgendwo gesehen haben. Oder auf AWWWARDS entdecken Sie ein grandioses Layout. Aber behalten Sie vor allem eines im Blick: KISS => Keep it short and simple. Eine bewährte Testmethode der Ergebnisse kann man als „Trunkenheit am Steuer“ bezeichnen. Nein, Sie sollen nicht betrunken Auto fahren oder nebenbei auf Mobilgeräten Seiten betrachten :-) . Die Methode hatte nur einen Zweck: Machen Sie Ihr Design für jemanden benutzbar, der quasi völlig betrunken ist. Wenn Sie das tun, wird jeder verstehen, wie Sie zu dem navigieren, was Sie entwerfen. Wie das perfekt geht, kann man sich z.B. immer wieder bei Apple ansehen.

Webdesign ist im Jahr 2019 untrennbar auch mit Marketing verbunden und natürlich hat auch Marketing viel mit Psychologie zu tun. Jeder Auftritt nach außen repräsentiert die Marke. Jede Webseite muss das CI des Unternehmens spiegeln und die Markenbotschaft unterstützen. Das sollten die Hauptgründe für ein Redesign sein. Nutzen sie Whitespace, um den Besucher gezielt zu führen und das Auge zu entlasten. Weniger ist meist auch MEHR. Damit reden wir aber schon auch über das Thema SEO – das aber in einem gesonderten Beitrag.

Sicher, neue Stile, Trends und evolutionäre Arbeiten machen das Internet interessant. Dies gilt jedoch nicht für diejenigen, die sofortige Verkäufe oder eine Steigerung der Leserschaft benötigen. Indem Sie Ihre Site einfach gestalten, ermöglichen Sie dem Endbenutzer, Ihren Weg und dauerhaft und freudig mit Ihnen zu gehen.

Du brauchst hilfe zum Thema? Schreib mir....

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Steffen Rössler

Steffen Rössler

Diplom-Webdesigner | dreifacher Vater | Klassik-Liebhaber | Schnellleser | UmDieEcke-Denker. Lebt und arbeitet in Braunau a. Inn

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