Es ist soweit, die DSGVO ist in Kraft getreten.  Viele haben erst gejubelt über die erweiterten Rechte des Konsumenten und sich gefreut, daß „den Großen“ endlich einmal jemand die Grenzen aufzeigt. Doch dann kam langsam der Katzenjammer. Ganz langsam sickerte in die Hirne, daß „die Großen“ meist ihren Firmensitz in einem Land außerhalb der EU haben. Bei einer Klage gegen Google z.B. wünsche ich gute Unterhaltung. Und dann plötzlich, kurz vor 12, dämmerte es vielen, daß sie selber einen Blog betreiben und sich sehr schnell um die Implementierung der neuen Regeln kümmern müssen. Oder einen Webshop. Oder sonst irgendwas veröffentlichen, das mit persönlichen Daten hantiert und sei es nur ein Kontaktformular.

Und spätestens an diesem Punkt setzte die Ernüchterung ein. Bereits ein flüchtiger Blick auf die neue Verordnung lässt ahnen, daß diese genau so konstruiert ist, daß ein Laie auf keinen Fall versteht, was genau zu tun ist und wie genau er sich verhalten muss. Auch die zunehmenden Informationen über die horrenden Strafen im Falle einer nicht rechtskonformen Umsetzung auf der eigenen Webseite ließ schnell Panik aufkommen.

Soll man diese Verordnung jetzt gut oder schlecht finden?

Aus meiner Praxiserfahrung nur so viel dazu: Sie ist genau so konstruiert, daß ein multinationaler Konzern darüber lächelt und 1-200 Leute abstellt, diese Umsetzung zu regeln. Der kleine Blogger allerdings , der zwar gut besucht ist und einen eher unkonventionellen Leserstamm hat, fast an den Kosten der Umsetzung zu Grunde geht. Die vielen Arbeitsstunden und Verträge mit allen möglichen Datensammlern gehen ja hübsch ins Geld. In Folge haben jetzt schon einige Blogs und Plattformen ihre Pforten geschlossen – wissend, daß diese notwendige Investition über die Webseite nie wieder herein kommen wird. Man stelle sich auch den Schaden vor für NGO´s oder andere gemeinnützige Unternehmen. Es erscheint wie ein Instrument der Marktbereinigung unter dem Deckmantel der „Datensicherheit“ und Datenhoheit des Benutzers.

Soll man nun aufgeben und den Kopf in den Sand stecken? Nein! Die Folge wäre eine massive Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die Art und Weise, in der bereits heute unter dem Deckmantel des Schutzes vor Fake-News oder ähnlichem die Meinungsfreiheit beschnitten wird, ist erschreckend. Ebenso, wie die Totalüberwachung der Menschen verbunden mit der  Angst vor dem Ruin ihrer Existenz durch zu freizügige Äusserung eine von den Gründervätern der Demokratie nicht gewollte Selbstzensur auferlegt.  Allerdings wird durch diese Regelwerk ja pro forma auf gar keinen Fall die Meinungsfreiheit beschnitten – man muss sich deren Umsetzung nur schlicht leisten können. Dann ist alles in Butter. Ein „reiner Tor“, wer sich hier überhaupt nichts denkt. Wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft erkenne ich hier ein Instrument zur Machtkonzentration, welche gleichbedeutend ist mit Meinungshoheit.

Welche absurden Seiteprobleme durch die Verordnung auftreten können zeigt sich am Beispiel der Visitenkarten.

Lange Rede –  es möge sich bitte niemand von dieser Verordnung (die in etwa so wertvoll ist wie die EU-Vorschrift zur zugelassenen Gurkenkrümmung) verschrecken lassen. Ladet euch dieses Plugin für WordPress herunter, prüft es auf Vollständigkeit und fertig. Wer einen professionellen Blog oder einen Webshop betreibt, dem seien die kostenpflichtigen „Premium“-Versionen empfohlen, die sich dann um weitere Details im Shop oder Blog kümmern. Auch ein Abo bei e-recht24 hilft, Rechtslücken in der Seite oder dem Shop aufzudecken und zu schließen.
Please, do not panic!  Es gibt massenweise Seiten im Netz, die Hinweise zur Umsetzung geben. Auch dieses kleine Plugin dort oben hilft dabei. Man kann auch hier für sich selbst eine Übersicht einsehen, welche Plugins auf der jeweiligen Seite welche Dinge tun und/oder Daten speichern.
Einfach die Zeit des Überganges und der provisorischen „Nicht-Abmahnung“ (vorübergehende Abmahnsprerre) nutzen und sich in aller RUHE auf die DSGVO einrichten.
Zum Abschluss vielleicht ein Zitat von Voltaire:


Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.

Wer sich in das Thema wirklich einlesen will, dem sei dieser Artikel empfohlen.

Zur massiven Beruhigung der Nerven empfehle ich diesen Beitrag des Kollegen.